Home arrow Kontakt

Counter

Insgesamt195868
Pharmakonzern schließt Werk - Patente verhindern Medikamentenproduktion Drucken E-Mail

Personen, die an der Krankheit Morbus Fabry leiden, haben seit Mitte vergangenes Jahr ein Problem. Der Pharmakonzern Genzyme musste wiederkehrend ein Werk schließen, das lebenswichtige Medikamente herstellt. Bis heute konnte der Konzern nicht ausreichend Medikamente nachproduzieren. Ein Patent hindert weitere Pharmakonzerne an der Herstellung. Eine Petition soll das Patent nun außer Kraft setzen.

Es ist der Alptraum eines jeden Menschen, der an einer schweren Krankheit leidet. Man verfügt zwar über die Mittel, um sich die benötigten Medikamente zu kaufen.

Doch aufgrund zahlreicher Pannen werden diese nicht in ausreichender Menge hergestellt. Was unvorstellbar klingt, ist dem Pharmakonzern Genzyme im Juni 2009 passiert. Eines seiner Werke musste temporär geschlossen werden. Ursächlich hierfür war eine Kontamination diverser Arbeitsgeräte mit Viren. Kein ungewöhnliches Ereignis, schließlich handelte es sich um ein Werk, in dem biotechnische Arbeiten ausgeführt wurden. Insbesondere die Arbeit mit lebenden Zellen war essenziell zur Herstellung eines bestimmten Medikaments.

Morbus Fabry - Eine Stoffwechselkrankheit
Eines der dort hergestellten Medikamente trägt den Namen "Fabrazyme". Dieses wird an Patienten verabreicht, die an der Krankheit Morbus Fabry leiden. Eine Stoffwechselkrankheit, die schwere Folgen nehmen kann. Aufgrund eines genetischen Defekts wird ein bestimmtes Enzym nicht in ausreichender Menge hergestellt. Fettmoleküle lagern sich in Nieren und Blutgefäßen ab. Im ungünstigsten Fall führt dies zum Tod durch einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Fabrazyme ist aufgrund des Patents das einzige Medikament, das dieses Problem lösen kann. Vorausgesetzt, es ist in ausreichender Menge vorhanden.

Davon gingen jedoch alle Personen aus, die an dieser Krankheit leiden und das Medikament von Genzyme erhalten. Als das einzige Werk, das dieses Medikament produziert temporär geschlossen wurde, machte sich niemand Gedanken. Der Ausfall sollte nur kurz dauern, erklärte Genzyme. Danach würde die Produktion wieder wie gewohnt weiterlaufen. Binnen sechs bis acht Wochen sollte die ausgefallene Produktion aufgefangen werden, so Genzyme im Juni 2009.

Nachdem das Werk seinen regulären Betrieb wieder aufgenommen hatte, schien alles in Ordnung. Bis in Medikamentenproben Rückstände von Metall gefunden wurden. Alles wurde wieder gestoppt. Man startete die Produktion erneut. Jetzt fanden sich Rückstände von Gummi in den Medikamenten. Wieder wurde die Herstellung dieser lebenswichtigen Medikamente eingefroren.

Die Einnahmen brechen weg
Im Gegensatz zu Diabetes oder dergleichen ist Morbus Fabry eine sehr seltene Krankheit. Aus diesem Grunde herrscht meist auch ein intensiver Kontakt zwischen Genzyme und den rund 1.000 Konsumenten von Fabrazyme in den USA. Darüber hinaus stellte das Unternehmen ein weiteres - patentiertes - Medikament namens Cerezyme her. Dieses wird von Personen benötigt, die an Morbus Gaucher leiden. Hier handelt es sich ebenfalls um eine Krankheit, die den Fettstoffwechsel stört.

Aufgrund der geringen Zahl an Patienten herrscht eine durchaus enge Bindung zu ihnen. Nicht zuletzt über den enormen Eigenanteil, den die Patienten in den USA für das Medikament leisten müssen. Von rund 200.000 US-Dollar ist die Rede - jährlich. Aufgrund der stillgelegten Produktion fehlten diese Einnahmen. Der Aktienmarkt quittierte es entsprechend.
Patente hindern Dritte an der Produktion

Aufgrund der prekären Lage gestatteten die US-Behörden im Herbst 2009 die Einführung zweier alternativer Medikamente, bevor diese regulär geprüft werden konnten. Die Situation hatte sich jedoch drastisch verschlimmert. Manche Patienten erhielten nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Dosierung. Die Fabrazyme-Alternative "Replagal" wurde aufgrund des experimentellen Status nur bedingt angenommen.

Darüber hinaus war die Produktion dieser Alternative vom Pharmakonzern Shire nicht an die Spitze getrieben worden. Weitere Patienten die zu diesem Medikament wechseln wollen, wurden aufgrund der bis dahin geringen Produktionsmenge abgelehnt. Genzyme hat es ein Jahr nach den Problemen nach wie vor nicht geschafft, die Bestände von Fabrazyme wieder aufzufüllen.

Doch auch dritten Pharmakonzernen sind Tür und Tor versperrt, Fabrazyme selbst herzustellen. Da Genzyme das Patent an diesem und weiteren Medikamenten hält, sind anderen Pharmaunternehmen die Hände gebunden. Auch eine vorübergehende Lizenzierung zur Herstellung des Medikaments fand nicht statt.

Eine Petition soll helfen
Drei Personen aus den USA haben nun eine Petition eingereicht. Darin fordern sie die US-Gesundheitsbehörden dazu auf, ihre sogenannten "March-In" Rechte zu nutzen. Damit könnte die Regierung Genzyme dazu zwingen, Lizenzen zur Herstellung von Fabrazyme an Dritte zu vergeben. Da eine US-Institution (Mount Sinai School of Medicine in New York) an der Entwicklung des Medikaments beteiligt war, würde den Gesundheitsbehörden ein entsprechendes Recht zustehen.

Tatsache ist jedoch, dass drei vergleichbare Petitionen bereits abgelehnt wurden. Ob diese nun erfolgreicher sein kann, lässt sich schwerlich sagen. Vermutlich hätte man mit der Vergabe einer Lizenz sowieso bereits vergangenes Jahr beginnen müssen. Es ist unwahrscheinlich, dass ein neuer Lieferant binnen Wochen die Bestände auffüllen kann. Derweil meldet Genzyme, dass man bis zum 4. Quartal 2010 eben diese Bestände wieder aufgefüllt haben will. Für die Patienten ist dies jedoch nur ein schwacher Trost.

Quelle: gulli.com

 

 
< zurück   weiter >